Eine Schulklasse besucht das Tierheim und berichtet über ihre Eindrücke Ein Konzert aus Hundegebell, von hell bis dunkel, von leise bis schrill, empfängt uns als erster Eindruck im Tierheim des Vereins „Tiere in Not" e.V. Höxter/Warburg. Irgendwo wird ein alleingelassenes, heruntergekommenes Tier gefunden. Wo soll es hin? Oft ist es krank, verletzt, vereinsamt, gequält. Es hat einen Leidensweg hinter sich. Hat es auch eine Seele ? Hat es auch ein Recht auf Würde, auf Auslauf und Lebensfreude ? Im Bad Driburger Tierheim schellt oft das Telefon. Tag für Tag und bis spät in den Abend sind die Helfer bereit, die Ergebnisse menschlicher Verantwortungslosigkeit, Tiere in Not, aufzunehmen und wieder hochzupäppeln. Wir waren mit der Befürchtung gekommen, viel Elend zu sehen, und waren angenehm überrascht, viele aufgeweckte, muntere Hunde zu erleben, die sich in den großen Auslaufgehegen sichtlich wohl fühlten. Auch in den Katzenräumen sahen wir lustiges Treiben. Es gibt Wärmelampen für die Babys. Nur in der Pflegestation für die abgemagerten und kranken Katzen sieht es traurig aus. Leid spricht aus den Augen der Tiere. Die Tuben und Salben stiften ein wenig Trost. Von außen immer wieder Hundegebell. Warum kommt es so oft zu diesen Tierschicksalen? Da werden Hunde, Katzen und andere Kleintiere unüberlegt angeschafft, aus Spontangefühlen heraus. Am Anfang geht es meist gut. Doch im Laufe der Zeit wird sichtbar, daß man sich überschätzt hat, daß man Tasso oder Lissy nicht wie einen Teddybären oder eine Puppe eine Weile in der Ecke liegenlassen kann. Dann kommt ein Umzug oder ein Urlaub - das tragische Ergebnis landet schließlich im Tierheim. Die Kämpfer mit dem Herz für Tiere haben viel Arbeit. Sie sind fast ausschließlich auf Spenden angewiesen und müssen Monat für Monat einen Etat von über 20.000,00 DM aufbringen. Nach ersten schüchternen Blicken auf die stramme Front der bellenden Heimbewohner, nach einführenden Informationen über das Drum und Dran werden die Schüler und Schülerinnen lockerer. „0-wie-süß"-Seufzer werden laut. Im Laufe des Vormittags entstehen kleine Freundschaften. Eine Schülerin fragt: „Kann man den mitnehmen?" Mit Geduld und Humor beantworten die Mitarbeiter des Tierheimes die Fragen. Schließlich wird deutlich: Wir brauchen die Tierfreunde mit dem Heim der verlorenen Tiere, weil ihr Engagement auch uns zugute kommt, denn ohne sie bliebe diesen armen Geschöpfen oft nur die Tierversuchsanstalt oder sonst ein elender Tod. Die Tierfreunde brauchen uns, denn die Not der Tiere braucht Öffentlichkeit, braucht Menschen, die ein Gewissen haben, und braucht viele Spender, damit es weitergehen kann. Spüren nicht gerade die Kinder ganz besonders heraus, wie wichtig Tiere als gute Freunde, als wertvolle Mitgeschöpfe für den Menschen sind ? In der Hubertus-Legende erblickt der Jäger zwischen dem Gehörn des gehetzten Tieres die Gestalt des Gekreuzigten. Er hört eine Stimme: „Oh Hubertus, warum verfolgst Du mich? Ich leide auch in diesen Tieren, deren Not du mißachtest !" Gehören nicht die Martin-, die Elisabeth- und die Hubertus-Legende zusammen ? |