Finn ist zu Hause angekommen  (Finn hieß im Tierheim noch Zacharias)
Nachdem unsere alte Hündin eingeschläfert werden musste, haben wir im Internet nach einem neuen Hund aus dem Tierschutz gesucht. Ausschlaggebend für die Auswahl von Finn war, dass in seinem Internet-Auftritt auf die Dringlichkeit eines neuen Zuhauses hingewiesen wurde und er einen starken Jagdtrieb hatte (Finn dankt insofern der jungen Dame, die den Auftritt gestaltet!, dies vielleicht als Anregung, um weitere Hinweise auf dringende Fälle zu geben). 
Da mein Mann und ich beide Jäger sind, war uns klar, dass Nicht-Jäger mit einem derartigen Hund schnell überfordert sein könnten und die Gefahr einer Tierschutz-Odyssee besteht. Finn hatte wohl noch nie in einem Haus gelebt und so musste ihm viel beigebracht werden, neben der Stubenreinheit z.B. die Möglichkeit, angelehnte Türen mit der Schnauze zu öffnen. Das Anschalten des Fernsehers war in den ersten Wochen für ihn eine faszinierende Angelegenheit – immer wieder stand er staunend davor! 
Er ist ein unglaublich lieber Hund, der nun Zuhause angekommen ist und nie mehr in andere Hände kommt, egal was geschieht. Mein Mann und ich meinen, dass es nur vier gute Hände gibt – unsere eigenen! Finn hat den Besuch der Hundeschule mit „Sehr gut abgeschlossen, wobei das „Sehr gut nach meiner Meinung eine recht wohlwollende Beurteilung war – obwohl man sagen muss, dass er bei dem Befehl „Bleib am Prüfungstag durchaus einen lichten Moment hatte. 
Er beherrscht die Grundkommandos nun leidlich, es ist weiterhin noch einiges an Training zu absolvieren. Jetzt im Mai beginnen wir sowohl mit der Jagdhundeausbildung als auch mit Agility. Der Jagdtrieb ist weiterhin sehr stark und wir gehen mit ihm nur an der Feldleine in den Wald. Im freien Feld lassen wir ihn jedoch mittlerweile frei laufen, auch beim Joggen läuft er frei neben mir her bzw. in Sichtweite! Unsere Trumpfkarte ist seine große Angst, Herrchen und Frauchen wieder zu verlieren. Diese übermäßig starke Bindung hat jedoch zwei Seiten – er bleibt nicht allein im Haus! Zwar zerstört er Nichts, aber er bekommt Panik und wir wollen ihn natürlich dieser nicht ausliefern. Zwar arbeiten wir an der Trennungsangst, aber so lange sie nicht behoben ist, bleibt er nicht allein Zuhause. 
Im Auto bleibt er jedoch problemlos in seiner Box und schläft. Daher war Finn mit Frauchen schon oft beruflich unterwegs, so war er beim Landesarbeitsgericht und auch bei von Frauchen gehaltenen Vorträgen kommt er halt mit. Ebenso kommt er jetzt mit zum Friseur oder zur Kosmetikerin – beim Friseurbesuch war er durch das Hantieren der Friseurin mit der Schere an Frauchens Kopf jedoch so beunruhigt, dass er sich leider übergeben musste ... Finn ist ein sehr, sehr sensibler Hund – Aufregungen machen sich sofort mit Übelkeit oder Durchfall bemerkbar. Dies hängt wohl mit seiner Vergangenheit zusammen. 
Insgesamt kann ich die Bücher des Animal-Learn-Verlages (www.animal-learn.de) empfehlen, die auch Bücher zu speziellen Problemen anbieten (Trennungsangst etc.). Zum allgemeinen Einstieg in das Hundeverhalten sei das Buch von Jan Fennel „Mit Hunden sprechen empfohlen. Eines von Finns besonderen Kennzeichen ist sein Brummeln, das er sowohl als Zeichen seines Wohlbefinden äußert als auch um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen, z.B. über die Anordnung des Befehls „Platz. Wir schmelzen bei soviel Charakter natürlich immer nur dahin, bleiben aber aus erzieherischen Gründen natürlich immer konsequent. Er liegt nur ungern in meinem Büro, es sei denn, unsere resolute Putzhilfe ist im Haus, dann sucht er bei mir schnellstmöglich Asyl! 
Wir hoffen, mit ihm noch viele Jahre verbringen zu können. Ich könnte noch viele Geschichten von ihm erzählen, aber es kommt bei Gelegenheit ein weiterer Bericht. Wir können nur sagen: Nehmen Sie einen Hund aus dem Tierschutz und behalten Sie ihn. Selbst wenn es am Anfang Probleme geben sollte, werden die im Laufe der Zeit abnehmen und ein Welpe verursacht nicht weniger Probleme. Völlig falsch ist die Ansicht, ein älterer Hund könnte sich nicht mehr eingewöhnen. Diese Ansicht wird nur von Menschen ohne jegliche Kenntnisse der Kynologie vertreten. Finn, wir vom Tierheim wünschen Dir weiterhin viel schöne Zeit mit Deiner neuen Familie und Deiner Familie die Freude, die sie uns hier vermitteln konnte. - Julia Seitenanfang |