ELLA

Hallo liebes Team von Tierheim!

Jetzt, nachdem ich mich ein bisschen eingelebt habe in Trendelburg,
will ich mich doch noch einmal melden und Euch im Tierheim berichten, wie es mir ergangen ist.
Also eigentlich fühle ich mich hier recht wohl. Mein neues Frauchen und mein neues Herrchen
sind meistens nett zu mir. Obwohl ich ja Herrchen am Anfang gar nicht getraut hab. Naja, er ist eben ein Mann und mit denen hab ich es nun mal nicht so. Aber dieser ist wirklich okay, echt!
Er streichelt mich gerne und liebevoll und spielt mit mir mit meinem Lieblingsball.
Ich bringe ihm den Ball und werfe ihn ihm vor die Füße, dann bleibe ich davor stehen und
schaue immer abwechselnd den Ball und dann ihn an. Wenn ich ihn so schräg von unten mit meinem allerbesten Hundeblick anschmachte, kann er mit nicht wiederstehen. Außerdem kann
ich ihm mit der Schnauze prima den Ellbogen anhebeln. Die Sprache versteht er. Und wenn das
alles nicht hilft, dann haue ihm eben noch meine rechte Pfote aufs Knie, das funktioniert immer.





Wenn sie sagen „Wo ist denn dein Ball, Ella? Hol mal deinen Ball!, lasse ich mir das nicht zweimal sagen. Dann suche ich ihn komme ganz schnell damit angerannt, denn so eine Gelegenheit kann mir schließlich nicht entgehen lassen.

Am schönsten ist es aber, wenn sie mit mir nach draußen gehen.
Ich freue mich immer total, wenn sie mein Geschirr in die Hand nehmen und drehe mich wie ein Kreisel vor Freude. Dann ziehen sie Jacke und Schuhe an und ich kann es kaum noch abwarten und fange an zu jammern, damit sie sich endlich beeilen. Endlich befestigen sie die Leine an meinem Geschirr,was gar nicht so einfach ist, weil ich nicht still sitzen kann vor Aufregung.
Und dann geht es endlich los. 





Auf der Straße muss ich erst mal an der Leine gehen. Am Anfang hab ich immer fürchterlich
gezogen, aber das mögen sie nicht. Sie können halt nicht so schnell laufen wie ich, sind
eben bloß Menschen. Naja, aber wenn wir dann im Feld sind, dann darf ich frei laufen.
Am Anfang haben sie sich allerdings nicht getraut, mich von der Leine zu lassen. Das war
furchtbar! Ich wollte doch so gerne mal rennen, aber sie hatten Angst, dass ich ihnen davon
laufe. Da habe ich dann die ganze Zeit geweint. Naja, schließlich hätten sie doch überhaupt
keine Angst haben müssen. Ich passe schon auf, dass sie mir nicht abhanden kommen. Besonders
Frauchen, die lasse ich keinen Meter ohne mich gehen. Ich gehe mit niemand anderem mit, auch
mit Herrchen nicht, wenn Frauchen nicht mit kommt. Dann wehre ich mich aus Leibeskräften und
ziehe mir eher mein Geschirr aus, als dass ich freiwillig mit käme. 
Ich laufe auch nie zu weit voraus und immer schaue ich mich um, ob sie noch da sind.
Und wenn sie mich rufen, komme ich sofort. (Gibt dann ja auch immer ein Leckerli.)
Aus irgendeinem Grund, wollen sie auch, dass ich mich sofort hinsetze, wenn sie „Sitz rufen.
Seit ich begriffen hab, wie sehr sie sich darüber freuen, wenn ich es tue, tue ich ihnen
eben den Gefallen. Sie geraten dann nämlich völlig außer sich vor Begeisterung und es gibt
wieder ein Leckerli. Dafür lohnt es sich dann schon, das Spiel mitzumachen. Manchmal muss
ich dann noch sitzen bleiben und sie gehen ein ganzes Stück weiter. Wenn sie dann rufen,
komme ich angerannt, so schnell ich kann und dann gibts noch ein Leckerli. Das macht Spaß.
Am schönsten ist es, wenn ich beim Spazierengehen einen Stein finde. Den nehme ich dann mit
und renne ein Stückchen voraus. Dann verstecke ich ihn in möglichst hohem Gras und suche ihn,
indem ich laut schnaufend und prustend ganze Grasbüschel ausreiße und wegschleudere. Das ist
harte Arbeit, sag ich Euch und ich gerate richtig ins Hecheln.

Wenn sie mich überholt haben, „finde ich den Stein ganz plötzlich wieder, schnappe ihn mir
mit einem Happs und renne damit wieder voraus, wo das Spielchen von vorne beginnt. Das kann
ich stundenlang so machen. Ich bin damit so beschäftigt, dass ich dann leider in meiner
Begeisterung eventuell mal nicht gleich mitkriege, wenn Frauchen ruft. Dann wird sie
ärgerlich und ruft mich richtig streng. Manchmal ist es besser, den Stein dann erst mal
liegen zu lassen und zu ihr zu laufen. Wenn sie mich nämlich holen muss, dann schimpft sie
und ich  darf den Stein nicht weiter mitnehmen. Und wenn sie „Aus sagt, ist aus. Da lässt
sie nicht mit sich verhandeln, und wenn ich auch noch so bittend schaue.





Leider ist Frauchen allerdings manches Mal echt sauer auf mich, weil ich so viele Dummheiten
mache, wenn man mich allein lässt. Naja, mir ist eben langweilig, wenn sie alle zur Arbeit
sind und dann finde ich immer eine Möglichkeit, mich „nützlich zu machen. Ich kann es zum
Beispiel nicht lassen, den Mülleimer auszuräumen. Da riecht es aber auch immer so gut drin.
Und es ist ganz leicht, den auf zu kriegen. Aber auch auf dem Tisch und auf der Arbeitsplatte
in der Küche ist nichts vor mir sicher. Zum Glück habe ich ja ziemlich lange Beine und komme
bequem überall dran. Auf diese Weise konnte ich schon eine ganze Wurst abstauben und den
Sonntagskuchen, den sie sonst bestimmt nicht mit mir geteilt hätten. Natürlich schimpfen sie
dann mit mir. Besonders Frauchen regt sich auf während Herrchen eher belustigt ist.
Ich glaube, er bewundert sogar, dass ich so schlau bin.
Leider ist es damit jetzt allerdings vorbei, denn jetzt machen sie die Küchentür zu, wenn sie das Haus verlassen. Jetzt kann ich nur noch ins Wohnzimmer gehen, wo ein Schaffell für mich auf dem Boden liegt und in die Diele, wo mein Korb steht und meine Wasser- und Futterschüssel.
Im Wohnzimmer darf ich nicht auf dem Sofa liegen. Deshalb legen sie Sachen aufs Sofa, damit
ich nicht drauf kann. Und auch ins Schlafzimmer darf ich nicht. Kürzlich hatten sie mal
vergessen, die Türen zu zu machen, als sie abends ins Kino gegangen sind. Klar, dass ich die
Gelegenheit genutzt habe. Später hat Frauchen natürlich gesehen, dass ich im Bett gewesen
bin und hat doch tatsächlich mitten in der Nacht das Bett frisch bezogen! Sowas!
Wenn sie zuhause sind, passt Frauchen jetzt auf wie ein Schießhund.
Da muss ich schon schnell sein, so wie gestern Abend.





Frauchen und Herrchen hatten Besuch eingeladen und Frauchen hatte im Esszimmer den Tisch
ganz schön gedeckt. Mhhh, was standen da für leckere Sachen drauf! Frauchen hat mir
zwischendurch mein Fresschen gemacht und dachte, ich wäre damit erst mal beschäftigt.
Aber ich hab mich beeilt und als ich fertig war, hab ich mir noch zum Nachtisch ein großes
Stück Käse von der Käseplatte genommen. Mal ehrlich, das müssen die ja nun wirklich nicht
alles alleine essen, finde ich. Leider hat Frauchen mit erwischt und dann musste ich in mein
Körbchen und durfte nicht mehr ins Esszimmer. Ui, war die sauer!
Das war aber noch gar nichts, gegen den Aufstand, den sie gemacht hat, als ich ihre
Gassi-geh-Jacke kaputt gekaut habe. Sie hat immer Leckerli in der Tasche und an dem Tag
hatte sie die Jacke in der Diele aufgehängt, anstatt da, wo ich nicht dran kann, so wie sonst
.
Naja, die Leckerli haben aber auch gar zu verführerisch geduftet und da ist es eben über
mich gekommen. Ich hab einfach solange von außen auf der Jacke rumgekaut, bis ein Loch im
Futter und in der Tasche war und die Leckerli rausgefallen sind. Hätte ich aber auch echt nicht mit gerechnet, dass die so ein Theater macht, wenn sie das sieht.
In den kommenden Tagen werde ich es allerdings ein bisschen schwerer haben, mir neue
Betätigungsfelder zu suchen. Sie haben nämlich jetzt erst mal Urlaub und damit haben sie mich
besser unter Kontrolle. Sie sagen, Weihnachten steht vor der Tür.
Möchte bloß mal wissen, wer das sein soll. Weihnachten! Kenn ich nicht. 
Aber das kann ich Euch sagen, wenn der kommt, dann belle ich, dass die Wände wackeln.
Echt, das kann ich wirklich richtig gut. Die Leute gehen immer gleich einen Schritt rückwärts, wenn sie meine Stimme hören. Hört sich an, als wäre ich noch einmal so groß.
Eigentlich findet Frauchen das gar nicht schlecht, hat sie gesagt. So traut sich wenigstens nicht so schnell einer, bei uns einzubrechen. Und ich kriege immer sofort mit, wenn jemand kommt, noch  bevor der klingelt, lege ich los. Okay, Weihnachten, dann komm mal rein, wenn du dich traust.

So, damit mach ich jetzt mal Schluss. Ich wünsche Euch frohe Feiertage und einen guten
Rutsch. Herzliche Grüße auch von meinen Leuten und vielen Dank nochmal für Alles.


Herzlichst Eure Ella