Unser kleiner Überlebenskünstler

 

Hallo Frau Hecker,

wir hätten einen Ehemaligen für Ihre Internet Seite, der uns schon viele Jahre begleitet. Ich bin erst jetzt auf Ihre Internet Seite gestossen, weil ich in den Jahren zuvor einfach nicht darüber nachgedacht habe, zu schau´n, ob es überhaupt eine gibt...

 

Am 24. Dezember 1989, ich war damals 11 Jahre alt, entschloss sich mein Vater Bernhard Hesse sehr kurzfristig, mir endlich den langersehnten Hund zu schenken.
Er arbeitet in Bad Driburg und war nach dem Dienst zu Ihnen gefahren, um einen Welpen zu kaufen.

Seine Idee wurde von Ihren damaligen Mitarbeitern, vielleicht auch von Ihnen selber, aus gutem Grund sehr skeptisch aufgenommen, den ein Hund als Weihnachtsgeschenk ist bekanntlich immer ein Risiko (für das Tier...).Die Sorge war jedoch unbegründet, denn unser Charly, damals ca. 12 Wochen alt, ist heute noch bei uns in Bruchhausen und es geht ihm sehr gut; obwohl er auf die 17 Jahre !! zusteuert.

Charly, ca. 12 Wochen alt. Dezember 1989

 

 

1994

 

 

Charly im Jahr 2002 mit den ersten grauen Haaren.

 

Obwohl Charly mittlerweile schon ein so hohes Alter erreicht hat, musste er im Laufe der Jahre einiges durchmachen. Im Winter 2004 hatten wir zum ersten Mal Sorge, ihn eventuell verloren zu haben. Eine läufige Hündin hatte sich mitsamt Leine bei Ihrer Herrin losgerissen und war auf und davon. Charly als Rüde natürlich hinterher - ohne Leine. 2 Wochen lang haben wir die beiden gesucht und waren im Glauben, sie wären erfroren oder ein Jäger habe sie im Wald erschossen. Unglaublicher weise stand Charly nach diesen 2 Wochen plötzlich wieder bei uns vor der Tür. Abgemagert bis auf die Knochen, verwirrt und sehr müde.Es hat Monate gedauert bis wir ihn wieder richtig aufgepeppelt hatten. Leider hatte sein Gehör in der Zeit Schaden genommen und er ist seither fast taub.

Für die Hündin kam leider jede Hilfe zu spät. Ihre Leine hatte sich im Unterholz verfangen. Fußgänger fanden sie drei Wochen nach dem Verschwinden der Hunde und die Polizei musste sie leider erschiessen. Unser Hund hatte tatsächlich die ganze Zeit bei ihr gesessen, obwohl er selber frei war und schon eher jederzeit hätte nach Hause laufen können.

Erholt und wieder gut in Futter nach seinem Verschwinden 2004.

 

Der nächste Schock kam dann im Herbst 2005. Charly, 16 Jahre alt, hatte mittlerweile so schlechte Zähne, dass diese entfernt werden mussten. Es war von vorne bis hinten unsere eigene Schuld, denn so sehr man sich auch um den Hund gekümmert hatte, an eine Zahnreinigung hatten wir nie gedacht und dann war es schließlich zu spät.

Zudem begann in seinem Hoden ein gutartiger Tumor rasant schnell zu wachsen. Auch dieser sollte entfernt werden, damit das Gewebe nicht platzt. 6 Wochen vor dem geplanten OP Termin passierte es noch, dass Charly sich in unserem Garten einen sperrigen Ast von Schilfgras so unglücklich ins Auge rammte, dass das Auge nicht mehr zu retten war. In einer vorgezogenen Mammut-OP wurden ihm dann in einem Rutsch Zähne, Hoden und das rechte Auge entfernt. Wir hatten die größte Sorge, dass er die 1 1/2 Stunden lange Operation auf Grund seines Alters nicht überleben würde. Die Tierärzte in Brakel (Dr. Mrugalla und Dr. Dietz, an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank!) jedoch meinten, er habe ein sehr gutes Herz, und wie erwartet ist alles sehr gut verlaufen. (Das Schilfgras ist mittlerweile von meinem Vater bis auf die Wurzeln entfernt worden...)

Charly hat es sogar geschafft, für die Nachsorgeuntersuchungen freiwillig ohne Leine etc. das Behandlungszimmer zu betreten, musste jedoch erst lernen, mit nur einem Auge zurechtzukommen.

 

 

Nach der OP 2005 - alles ist gut verheilt.

 

 

 

Zusammengefasst ist er mittlerweile hodenlos, bis auf wenige gesunde Zähne fast zahnlos, halb blind und halb taub, aber er ist gut drauf, genießt seine Rente, und laut der Tierärzte hat er mit seinem guten, gesunden Herzen noch weitere schöne Jahre zu leben... Ich wohne mittlerweile aus beruflichen Gründen in Freiburg und konnte ihn leider nicht mitnehmen. Es wäre nicht richtig, ihn von Haus und Garten zu trennen, wo er schließlich aufgewachsen ist. Aber ich versuche so oft es geht, ihn zu besuchen.

Wir wissen leider nicht, an welchem Tag genau Charly eigentlich geboren ist, und wir wissen auch nicht, wie er letztendlich zu Ihnen kam, aber ich bin wirklich froh, dass Sie meinem Vater damals diesen Hund für 150 DM verkauft haben. Im Grunde ist er unbezahlbar.

 

 

Wir werden mal sehen, was wir zu Hause für Ihr Tierheim noch finden. Charly kann festes Futter sowieso nicht mehr fressen...

 

Viele Grüße
Alexandra Hesse